Husten


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Einleitung
"Es ist noch keiner erstunken aber es sind schon viele erfroren", für Pferde gilt genau das Gegenteil!

Dieser Text richtet sich vor allem an die Pferdebesitzer deren Pferd bereits über Wochen und Monate hustet oder kurzatmig ist und bereits tierärztlich behandelt wurde. Gott sei Dank ist nicht jeder Husten ein Dauerproblem. Auch wir wollen Ihnen nicht beim ersten Besuch raten Ihren Stall umzubauen, sondern wir hoffen zunächst mal, dass Ihr Pferd auch ohne viel Aufwand schnell wieder gesund wird. Zieht sich ein Atemwegsproblem jedoch über mehrere Monate hin, ist es sicher angezeigt sich grundsätzliche Gedanken zu machen.

Chronische, das heißt über Monate anhaltende Atemwegsprobleme beim Pferd sind in der überwiegenden Mehrzahl durch Allergie oder durch Überempfindlichkeit gegenüber Stäuben und Schadgasen bedingt. Daneben gibt es - viel seltener - durch Infektionen mit Viren und Bakterien verursachte chronische Atemwegserkrankungen, die jedoch in diesem Text nur ein Randthema sind.

Wenn ihr Pferd seit Monaten hustet leidet es also mit hoher Sicherheit an einer zumindest ursprünglich allergischen Atemwegserkrankung.

Bedenken Sie daß das Pferd von Natur aus ein in offener Landschaft lebendes Freiluftgeschöpf ist. Stroh und Heu, also von Menschen verarbeitete Futtermittel, in deren Stäuben sich die meisten Allergieauslöser befinden, gibt es in der Natur nicht. Die Umgebung unserer Pferde ist jedoch voll davon.
Die Allergie kann zwei verschiedene Dinge in der Lunge auslösen:

1. Zusammenziehen der kleinen Luftwege (geht sehr schnell)

2. Schleimbildung die zum Verstopfen der kleinen Luftwege führt (kann Jahre dauern bis es bemerkt wird).

Die Folge kann sein: Nur Husten (zumindest beim Reiten sehr störend) und - oder eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit. In schlimmen Fällen kann die Allergie auch zu hochgradiger Atemnot führen. Pferde mit Atemnot sind nicht nur weniger leistungsfähig, sondern sie leiden wirklich. Jeder der selber schon einmal hochgradiges Asthma gehabt hat, weiß wie scheußlich es ist, nach Luft zu ringen. Im Gegensatz zu lungenkranken Menschen gibt es für Pferde dann nicht die Möglichkeit ein Spray zu inhalieren und damit die Atemwege in wenigen Minuten wieder zu befreien. Pferde sind auf die Aufmerksamkeit Ihres Besitzers angewiesen, der sich hoffentlich noch nicht an ihren Husten gewöhnt hat und der ihre beschleunigte Atmung erkennt.

Ist Ihr Pferd Allergiker und wenn ja gegen was? Diagnostik
Allergieverursacher sind vor allem Staubpartikel in Heu (auch die beste Heuqualität ist nicht staubfrei) und Einstreu ( sowohl Stroh als auch Sägemehl ), seltener Hallen- oder Reitplatzstaub oder Kraftfutter.

Wesentlich seltener sind Pferde auf auch in der freien Natur vorkommende Stäube wie Blütenstaub allergisch. Sollte dies bei Ihrem Pferd der Fall sein so werden sie Hustenprobleme alljährlich zur etwa gleichen Jahreszeit im Frühjahr oder Sommer beobachten.

Ist Ihr Pferd bereits erkrankt, und steht noch nicht fest auf was die Lunge Ihres Pferdes allergisch reagiert, sollten Sie jedenfalls versuchen alle Stäube, zumindest die von Heu und Einstreu von Ihrem Pferd fernzuhalten. Wie Sie dabei vorgehen sollten sehen Sie im nächsten Kapitel.

Erst wenn sich daraufhin die Atmung Ihres Pferdes auch ohne Medikament deutlich gebessert hat (keine erhöhte Atemfrequenz, kein Husten, kein oder nur wenig wäßriger Nasenausfluß) können Sie durch systematisches Ausprobieren ( Immer nur ein Futtermittel oder eine Einstreuart über mindestens 1 Woche Dauer verändern) herausfinden auf was Ihr Pferd allergisch reagiert.

Ist Ihr Pferd zwar staubempfindlich, aber hat es eine noch gut funktionierende Lunge, können Sie auch versuchen zunächst nur einzelne Elemente der Haltung zu verändern, vielleicht genügt ja schon das gründliche Wässern des Heus.

Falls eine staubfreie Haltung in Ihrem Heimatstall zunächst nicht möglich ist, empfehlen wir Ihnen Ihr Pferd bei uns in der Praxis unter optimalen, durch uns kontrollierten Umweltbedingungen einzustellen. Oft finden wir bereits nach einigen Tagen heraus, was geändert werden muss, um Ihr Pferd lungengesund zu halten. Bei Pferden die nicht hochgradig erkrankt sind, setzen wir zunächst bewusst keine Medikamente ein. Wir haben schon oft erlebt, dass zumindest das Husten ohne jede Behandlung nur durch den Stallklimawechsel bereits am ersten Tag bei uns weg war!! Natürlich müssen Sie, wenn der Fall bei Ihnen ähnlich liegen sollte, die dabei gewonnene Erkenntnis dann daheim umsetzen. Dies gelingt jedoch wesentlich leichter wenn man weiß, dass allein staubfreie Luft zur Besserung geführt hat und nicht doch vielleicht - wie oft vermutet - irgendeine vor lauter Verzweiflung vermutete tiefe Infektion der Atemwege vorliegt, die man mit exotischen Antibiotika hätte behandeln müssen. Auch dem Stallbesitzer gegenüber kann man besser argumentieren, wenn auf diese Weise einmal bewiesen ist, dass z. B. der chronische Husten allein durch eine Haltungsveränderung und nicht durch Medikamente beseitigt wurde.

Ein Blutbild (Auszählung der verschiedenen Blutkörperchen) kann Ihnen übrigens nicht sagen ob die Atemwegserkrankung Ihres Pferdes allergisch bedingt ist. Mit einem Blutbild würde sich zwar das Vorliegen einer schweren bakteriellen Infektion oder einer frischen Virusinfektion dokumentieren lassen, nicht jedoch eine Allergie. Die schwere bakterielle Infektion oder die frische Virusinfektion lassen sich allerdings auch ohne Blutbild relativ einfach diagnostizieren!

Die von vielen Labors angebotenen Bluttests auf Allergene können eine Hilfe sein um herauszufinden, auf was Ihr Pferd allergisch reagiert. Hier wird über eine Blutprobe ermittelt, gegen welche Pflanzenarten, Schimmelpilze und Mikroorganismen oder Kleinlebewesen wie z. B. Milben Ihr Pferd Antikörper entwickelt hat. Klingt gut, nur leider können Ihnen die Anbieter dieser Tests nicht mitteilen in welchem Futtermittel man die verschiedenen Tierchen und Pilzchen mit den schönen lateinischen Namen findet. Ebensowenig zweckdienlich ist die Information Ihr Pferd sei auf Pappeln und Spitzwegerich oder was auch immer für Baum- und Pflanzensorten allergisch. Wollen Sie diese etwa mit Unkrautvertilger und Motorsäge ausrotten? übrigens haben wir auch bei der testweisen Einsendung von Blutproben von Pferden die keine Lungenprobleme hatten, vom Labor hohe Blutwerte für einzelne Allergene bekommen.

Ebenso selten ist die bakterielle Untersuchung von mit dem Endoskop gewonnenen Luftröhrenschleim eine sinnvolle diagnostische Maßnahme. Irgendein Bakterium wird im Labor immer wachsen, da erstens der Schleim bei der herkömmlichen Methode nie steril entnommen wird und zweitens eine gewisse Keimbesiedlung in der Luftröhre - gerade eines Allergikers - normal ist. Sehr oft werden dann irgendwelche Bakterien aus der Gruppe der Pseudomonaden oder Klebsiellen gefunden, diese gehören jedoch leider zur Bakterienflora der verwendeten Endoskope, sie sind nie der Grund für die Atemwegserkrankung Ihres Pferdes. An eine Infektion der Atemwege sollte man bei einem chronischen Huster ernsthaft erst dann denken, wenn wirklich alles getan wurde, um Staub zu eliminieren und das Pferd weiter hustet. Die Verabreichung eines Antibiotikums auf Verdacht hin, wird zwar Ihrem Pferd kaum schaden, oft lenkt sie aber von der eigentlichen Problematik ab.

Auch wir führen gerne eine Endoskopie durch, um die oberen Atemwege Ihres Pferdes zu begutachten. Die Bezeichnung Lungenspiegelung ist jedoch irreführend. Mit dem Endoskop kann man beim Pferd nur bis zur ersten Aufzweigung der Luftröhre eindringen. Die Endoskopie ist vor allem dann wertvoll, wenn ein Pferd zwar hustet, aber die Lunge beim Abhören nicht erkrankt zu sein scheint. Husten kann nämlich auch durch andere im Endoskop gut sichtbare Erkrankungen des Kehlkopfes oder der Luftröhre ausgelöst werden. überraschenderweise ist bei chronischen Allergikern oft das endoskopische Bild von Kehlkopf und Luftröhre ohne besondere Auffälligkeiten. Die Interpretation und Einordnung von endoskopischen Bildern in ein Krankheitsgeschehen ist oft schwierig: Scheinbar gesunde Pferde können enorm viel Schleim in der Luftröhre haben und Pferde mit einem schweren Lungenschaden können ein normales Bild zeigen.

Die Blutgasanalyse bei der der Sauerstoffgehalt des arteriellen Blutes gemessen wird, kann helfen, bei Beginn einer Behandlung einen Istwert zu ermitteln. Man kann durch wiederholte Messungen auch objektiver als mit anderen Untersuchungen einen Behandlungserfolg oder Mißerfolg feststellen. Ebenso leistet sie dann eine diagnostische Hilfe wenn Pferde zwar aufgrund einer Lungenerkrankung eine Leistungseinschränkung haben, aber nicht husten oder beim Abhören unauffällig sind. (Was gar nicht so selten ist) Die Blutgasanalyse führt übrigens zu fälschlich niedrigeren (schlechteren) Werten, wenn die Körpertemperatur nicht gemessen und in das Gerät eingegeben wird. Leider wird das immer noch oft so gehandhabt, insbesondere nach einer Belastung steigt die Körpertemperatur deutlich an, wird sie nicht mit in das Gerät eingegeben gibt es zwar pathologisch scheinende Werte die jedoch eigentlich normal sind.

Das reine Abhören eines Pferdes wird einem in mittleren und schweren Fällen fast immer einen deutlichen Befund liefern. Es gibt jedoch viele Pferde die husten und durchaus lungenkrank sind, bei denen sich durch das Abhören aber nichts feststellen lässt, auch hier kann die Blutgasanalyse oder die Feststellung der Atemfrequenz in Ruhe weiterhelfen.

Die Feststellung der Atemfrequenz in Ruhe ist - obwohl sehr nützlich leider oftmals schwierig, da Pferde bei der Untersuchung aufgeregt oder neugierig sind und schon deshalb beschleunigt atmen. Die echte Ruheatemfrequenz sollte maximal 12 Schläge / Minute betragen.

Nicht zuletzt ist auch das Ansprechen auf eine bestimmte Therapie ein diagnostischer Hinweis auf die Art der Lungenerkrankung sein.


Maßnahmen:
(Was müssen Sie tun um die Lunge gesund zu halten, wie sieht die optimale Haltung und Fütterung für ein allergiekrankes Pferd aus?)

Da bekanntlich die Luft draussen besser ist, bekommt den weitaus meisten Allergikern 24 Stunden Koppel oder Paddock am besten. Eine Schutzhütte die nach einer Seite offen ist, genügt übrigens auch für die überwinterung eines Warmblüters. Solch eine naturnahe Haltung wird insbesondere bei sogenannten Sportpferden nicht in jedem Fall machbar sein. Sie ist jedoch oft der einfachste Weg um ein lungenkrankes Pferd wieder gesund zu kriegen.

Gelegentlich gibt es starke Allergiker bei denen trotz ganztägiger Koppelhaltung die Lunge krank bleibt. Ursache war in meinem Patientengut z. B. die Fütterung trockenen Heus aus einer Gemeinschaftsraufe.

Oft unterlliegen Pferdebesitzer jedoch dem Irrtum, dass solange Ihr Pferd täglich ein paar Stunden auf der Koppel steht, man es ruhig für den Rest des Tages im Stall unter weniger guten Bedingungen belassen kann. Dies stimmt leider nur im Sinne eines "Besser als gar nichts". Die allergisch reagierenden Atemwege können sich in ein paar Stunden leider nicht komplett erholen.

Obwohl eine sogenannte Außenbox, also eine Box mit Tür und - oder Fenster nach draußen meist bessere Luftverhältnisse bietet als ein Stall mit Boxengasse, kann nicht generell gesagt werden, daß die Luft in Aussenboxen immer besser ist. Alte gemauerte Kavallerieställe mit ihren 4 bis 5 Meter Raumhöhe haben oft ein sehr gesundes Klima, solche Ställe gibt es jedoch bei uns im Nürnberger Raum kaum.

Nach meiner Erfahrung gelingt es mit Belüftungsanlagen selten die Luft entscheidend zu verbessern. Meist ist es billiger und besser radikal Fenster auszuhängen und zu vergrößern. Fensterflächen können in einem Pferdestall eigentlich nicht zu groß sein. Generell sollte die Luft in einem Pferdestall nicht anders riechen und sich nicht anders anfühlen als die Außenluft. Wärme im Stall dient einzig und allein uns Menschen, Ihr Pferd braucht sie nicht.

Wer aus sportlichen Gründen im Winter ein dichtes Winterfell verhindern möchte, sollte sein Pferd eindecken, nicht jedoch die Stallfenster schließen.

Statt wegen einfrierender Wasserleitungen einem lungenempfindlichen Pferd im Winter die Luft durch Fensterschließen abzudrehen, sollte man besser in eine Rohrheizung investieren. Fensterschließen kommt bei empfindlichen Pferden auf Dauer teurer da sie krank werden.

Als Einstreu empfehle ich z. B. Hanf oder Allspanspäne oder Plospan (Baywa) aus groben Weichholzflocken die speziell als Einstreu hergestellt werden, (Die vielerorts verwendeten viel zu feinen und staubigen Sägemehle sind natürlich billiger, sie können ihrerseits allergieauslösend sein, in einem minder schweren Fall kann man sie ja durchaus einige Wochen ausprobieren).

Als Futter empfehlen wir Silage oder wirklich nassgemachtes Heu, das, bis keine trockenen Stellen mehr da sind in einem Bottich mit Wasser schwimmt. Das Heu sollte, auch wenn es aufgeschüttelt ist, mindestens 20 Minuten im Wasser bleiben, es kann aber auch bis zur nächsten Fütterung in 12 Stunden eingeweicht werden. Es sollte, um die Einstreu nicht zu sehr zu befeuchten, abgetropft verfüttert werden. Das übergießen eines Ballens mit der Gießkanne ist nicht ausreichend. Mit dem Wässern des Heus werden staubförmige Allergene gebunden, geschluckt schaden sie nämlich viel weniger als inhaliert. Nimmt Ihr Pferd das nass verfütterte Heu nicht an, so bleiben Sie bitte stur, ein bisschen Abnehmen schadet unseren Allergikern nie und nach spätestens 2 Tagen wird Ihr Pferd schon essen was auf den Tisch kommt!

Wir nehmen zum Wässern des Heus übrigens 2 Identische gut gelüftete Zementwannen aus dem Baumarkt, die innere in die das Heu kommt wird mit dem Holzbohrer wie ein Sieb gelocht, die äußere dient als Wasserbehälter. Man kann die Dinger dann zum Abtropfen versetzt übereinander stellen. Das Wasser müssen wir im Sommer wenn's warm ist spätestens alle 2 Tage wechseln.

Seit längerem gibt es abgepacktes staubfreies Pferdefutter (z. B. Boxgrass, Heulage, Hartog Lucerne). Diese Futtermittel sind zwar teuer, aber insbesondere im Winter, wenn das Wässern von Heu erschwert ist, empfehlenswert.

Verwunderlich scheint mir der Einwand eine solche Fütterung sei zu teuer. Bei einem Pferd das oft mitsamt Ausbildung 15 000 Euro oder mehr gekostet hat, sollen dann 50 Euro Mehrkosten im Monat auf einmal zu viel sein.

Zum Glück sind nicht alle Pferde Allergiker, deshalb kann es durchaus sein, dass Ihre Boxennachbarn bei identischer Einstreu und identischem Futter überhaupt keine Probleme haben. Deswegen können gesunde leistungsstarke Boxennachbarn, die nicht husten noch kein Beweis für eine für Ihr Pferd gute Lufthygiene im Stall sein.

Falls Ihr Pferd ganz besonders stark aIlergisch reagiert, wird es allerdings in einer Innenbox nichts nützen wenn Sie nur bei ihrem Pferd Einstreu und Futter staubfrei machen. Heustaub und Strohstaub verteilen sich insbesondere während und nach dem Einstreuen im ganzen Stall so, dass ein hochgradig allergisches Pferd immer noch genug Staub inhaliert um die Lunge zu reizen und den Krankheitsprozess weiter in Gang zu halten.

Wie bereits erwähnt, kann es in milderen Fällen auch genügen nur einzelne das Klima belastende Faktoren zu verbessern:

1. Heu wird naß verfüttert.

2. Koppel oder Paddock solange wie möglich,

3. Beim Einstreuen, beim Stall kehren und zwei Stunden danach steht das Pferd auf keinen Fall im Stall,

4. Fenster aushängen

Ist die Lungenfunktion Ihres Pferdes jedoch bereits deutlich verschlechtert, müssen Sie radikal wie oben beschrieben zumindest alle üblichen Staubverursacher ausschalten. Falls sich dies in der derzeitigen Box Ihres Pferdes nicht machen lässt, sollten Sie durchaus in Erwägung ziehen, sich in Ihrem Stall eine andere Box geben zu lassen oder Ihr Pferd in einen für Allergiker besser geeigneten Stall zu geben. Dabei kann ein Praxisaufenthalt helfen (siehe vorheriger Abschnitt).

Leider führt diese Problematik immer wieder zu Unstimmigkeiten mit den Boxenvermietern, die aufgrund ihrer meist langjährigen Erfahrung glauben alles über Pferdehaltung zu wissen. Gründliches Naßmachen von Heu oder Verfüttern einwandfreier Silage bedeutet für das ohnehin meist gut ausgelastete Personal einen erheblichen Mehraufwand an Arbeitszeit. Die guten Späne sind teurer als das Sägemehl. Es ist deshalb unserer Meinung nach selbstverständlich, dass die gesundheiterhaltende Unterbringung eines allergischen Pferdes langfristig nicht zum Nulltarif gemacht werden kann. Ich halte es für sehr sinnvoll, wenn - wie in einigen Ställen bereits üblich - die Boxenpreise bei Nassheufütterung und Späneeinstreu teurer sind als die normale Box. Das Geld das sie völlig zurecht Ihrem Vermieter zusätzlich zahlen müssen, sparen Sie beim Tierarzt wieder ein. Außerdem haben Sie ein gesünderes Pferd mit dem Sie ohne Dopingsorgen auf Turnier gehen können. Leider besteht hier oft Uneinsichtigkeit von Seiten der Pferdebesitzer und der Stallbesitzer. Zwischen beiden Parteien zerrieben wird der verantwortungsbewusste Tierarzt, der Pferde wirklich heilen will und für den die lungenkranken Tiere keine willkommene Gelegenheit zum andauernden gesteigerten Medikamentenabsatz sind. Für uns ist es oft frustrierend einen chronischen Huster behandeln zu müssen wenn wir doch den starken Verdacht haben, dass das Pferd zumindest langfristig nicht so sehr unsere Medikamente braucht, sondern erstmal staubarme frische Luft. Leider wird das oft vom Pferdebesitzer wie ein Vorwurf an den Boxenvermieter weitergegeben und dann sind wir die Bösen.

Oft wird auch seitens des Personals ohne jeden bösen Willen inkonsequent gehandelt. Ein Pferd zur Allergenvermeidung auf teure gute Späne stellen und ihm dann Stroh zum fressen vorzulegen ist natürlich gut gemeint aber eben auch ziemlich sinnlos.


Behandlungen und Medikamente gegen die chronisch obstruktive Bronchitis
Solange Ihr Pferd nicht weitgehend frei von Allergieauslösern gehalten wird, werden schon bald nach dem Absetzen der Medikamente die Allergie und damit Husten und / oder Kurzatmigkeit zurückkommen. Ausnahme sind natürlich die nur zu bestimmten Jahreszeiten vorkommenden Pollenallergien. Bei denen es natürlich sinnvoll ist, die Hauptbelastungszeit mit Medikamenten zu überbrücken.

Medikamente sollten in milden Fällen bei der Behandlung nicht im Vordergrund stehen, sondern die oben beschriebenen Maßnahmen. Bei stärkerer Erkrankung sollten sie gemeinsam mit diesen Maßnahmen eingesetzt werden, um die Krankheitsdauer abzukürzen. Umso länger nämlich ein Bronchospasmus oder die übermäßige Produktion von Bronchialschleim anhält, umso schwieriger ist die Heilung. Wichtig ist die medikamentelle Behandlung gerade auch aus Tierschutzgründen dann, wenn bei jahrelanger Erkrankung auch eine Verbesserung der Umwelt keine deutliche Verbesserung der Atemnot mehr bringt. Oder wenn, was leider oft der Fall ist, sich die oben beschriebenen Maßnahmen nicht durchsetzen lassen.

Gute Dienste leisten:

Schleimlöser (ACC, Dembrexin, Bromhexin wie in Sputolysin oder Solvimuco), Bronchenerweiterer wie Ventipulmin oder Equipulmin und Entzündungshemmer (Cortisonpräparate).

Daneben gibt es noch Exspectorantien wie diverse ätherische Öle. Was genommen wird entscheidet der Tierarzt je nach Schwere und Dauer der Erkrankung.

Man sollte nicht den Fehler machen und ein Medikament, nur weil man es seit langem kennt und oft bei Pferden gesehen hat, die lange Jahre lungenkrank waren, ablehnen. Nach wie vor ist der Bronchenerweiterer Ventipulmin ein sehr wichtiges Medikament. Natürlich muß es bei Pferden, bei denen die Umwelt scheinbar nicht staubarm genug gestaltet werden kann, immer wieder gegeben werden, daran ist dann jedoch nicht das Medikament schuld. Einige Pferde reagieren auf Ventipulmin mit Schwitzen und Muskelzittern, dies ist jedoch nur vorübergehend und kann mit einer Dosiserniedrigung verhindert werden.

Bei weit fortgeschrittenen Fällen wirkt oft nur noch Cortison. Ebenso leistet es gute Dienste bei saisonal auftretenden Allergien und ist unverzichtbar bei einem akuten schweren Asthmaanfall. Es besteht leider ein von interessierter Seite gern geschürtes Vorurteil gegen dessen Anwendung. Man sollte nicht vergessen, dass diese Medikamentengruppe nach wie vor auch beim Menschen zur Standardtherapie gehört und dort mit gutem Erfolg über Jahre gegeben wird.

Toll wäre es, wenn man Pferden wie Menschen ein Asthmaspray geben könnte. Auf diese Weise kann man in der Humanmedizin die Dosis des Medikamentes verringern, da es nur bei Bedarf angewendet wird, und weil es direkt in das Zielorgan gesprüht wird.

Pferde atmen jedoch leider nicht auf Befehl tief ein und außerdem sind die Atemwege so lang, dass das Aerosol nicht ausreichend tief eindringt. Deshalb funktioniert das Inhalieren beim Pferd nicht so zuverlässig. Die Geräte sind teuer, die regelmäßige tägliche Behandlung ist zumindest sehr (Zeit!)aufwendig, bei einem temperamentvollen Pferd oft gar nicht zu machen. Hier wird von Herstellerseite noch geforscht. Es sind Ultraschallvernebler mit Masken auf dem Markt die von 250 bis über 1000 Euro kosten. Wir haben selber eines das wir, nachdem wir es selber bei Ihrem Pferd mit Erfolg angewendet haben, gerne gegen eine Gebühr ausleihen. Mancher versucht sich mit in einem Eimer heißem Wasser gelösten "Medikamenten" zu behelfen, bei dieser Technik ist jedoch die korrekte Dosierung eines echten Medikamentes unmöglich.

Um die Heilung zu beschleunigen wird auch die sogenannte "Lungenwäsche" oder "Lungenspülung" angeboten. Hierbei wird das Blut durch intravenöse oder enterale (mit der Nasenschlundsonde) Verabreichung von großen Wassermengen verdünnt. Ergebnis ist eine Verdünnung des ursprünglich zu zähen Schleims in der Lunge. Der verdünnte wässrigere Schleim kann dann leichter abgehustet werden. Diese Behandlung ist sehr kosten- und arbeitsaufwendig, nicht ganz ohne Risiko und hat deshalb natürlich nur dann Sinn wenn das Pferd danach allergenarm gehalten wird. Sonst ist der Nutzen auch dieser Therapie nur sehr kurzfristig.

Schön wäre es wenn es gelänge allergische Pferde wie Menschen zu desensibilisieren. Verschiedene Hersteller bieten je nach Ergebnis einer Blutuntersuchung individuelle Desensibilisierungslösungen an. Leider scheint die Desensibilisierung nur in Einzelfällen zu funktionieren, sie ist derzeit noch keine sichere Behandlungsmethode. Sie mag jedoch einen Versuch wert sein. Keineswegs jedoch dürfen allergische Pferde während der relativ langen Zeit der Desensibilisierung (Monate) in allergenreicher staubiger Umgebung gehalten werden.

Glossar:
Allergiker = der allergisch reagierende Patient
Allergen = der die Allergie auslösende Stoff, z. B. ein im Heustaub vorkommender Pflanzensamen, Pilzsporen, Blütenstaub


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