Kaufuntersuchungen


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Da wir immer wieder erleben, dass Pferde unwissentlich mit erheblichen Mängeln ge- oder verkauft werden, halten wir eine an Einsatzzweck und Preis angepasste Ankaufsuntersuchung für sinnvoll und zwar unabhängig davon, ob es sich um ein Ausreitpferd für 2000 oder ein Turnierpferd für 20000 Euro handelt.

Trotzdem sollte man beim Pferdekauf mit Kaufuntersuchung bedenken: Eine mit "sehr gut" bestandene Kaufuntersuchung und Röntgenbilder der (besten) Röntgenklasse 1 sind keine Garantie für lebenslange Reitbarkeit.

Ein Pferd das wir Tierärzte aus medizinischen Gründen für sehr bedenklich halten und von dessen Kauf wir deshalb abraten müssen, kann ihnen durchaus wenig später mit einer Schleife wieder am Turnier begegnen. Leider besteht von Seiten der Käufer oft die Auffassung, dass am Ende einer Kaufuntersuchung vom Tierarzt immer eine eindeutige Empfehlung gegeben werden kann. Dies ist nicht immer der Fall, insbesondere bei der Röntgenuntersuchung werden gelegentlich auch bei ansonsten gesunden Pferden erheblich von der Norm abweichende Befunde erhoben, die sich zwar in der Zukunft negativ auswirken können, dies aber nicht unbedingt müssen.

Die Pferde die einem Pferdetierarzt bei Kaufuntersuchungen begegnen, kann man grob in drei Gruppen einteilen:

1. Medizinisch makellose Pferde. Ja, auch solche findet man gelegentlich. Hier ist der Fall klar, von unserer Seite her steht dem Kauf nichts im Wege. Leider ist jedoch auch bei diesen Tieren weder garantiert, dass Ihre Reiter mit Ihnen glücklich werden, noch ist sicher, dass sie ewig "halten".

2. Pferde die schon bei der normalen, der so genannten "klinischen" Untersuchung deutliche Mängel zeigen, zum Beispiel geringgradig aber deutlich lahmen, von deren Kauf man also in der Regel abraten muss. Doch auch hier sei eine Nebenbemerkung gestattet: Auch ein bei einer Ankaufsuntersuchung oder gar beim Reiten geringgradig lahmendes Pferd kann beim Turnier platziert werden und sogar Seriensieger sein. Immer wieder findet man auch Pferde mit medizinisch gesehen reichlich katastrophalen Röntgenbildern, die trotzdem nicht lahmen und sehr gut reitbar sind. So ein Pferd kann man natürlich kaufen und damit Glück haben. Der Käufer darf jedoch nicht erwarten, dass ein Tierarzt ihm das Risiko dieser Kaufentscheidung abnimmt.

3. Die zahlenmäßig größte Gruppe von Pferden fällt in die Grauzone zwischen die erste Gruppe der perfekten Pferde und die zweite Gruppe der Pferde mit erheblichen gesundheitlichen Mängeln. Diese Pferde haben zwar den einen oder anderen mehr oder weniger schwerwiegenden Mangel, können aber trotzdem ein sehr sinnvoller Kauf sein. Hier ist der Beratungsaufwand für uns natürlich am Größten. Haftungsmäßig am sichersten handelt natürlich der übervorsichtige Tierarzt der bei jedem Mangel vom Kauf abrät. Vom Käufer aus gesehen besteht dabei allerdings die Gefahr entweder gar kein Pferd zu finden oder am Ende aus Frustration über vielleicht mehrere negativ ausgefallene Untersuchungen ein Pferd völlig ohne Untersuchung zu kaufen, das viel problematischer ist, als das zunächst abgelehnte.

Jeder Kaufinteressent sollte sich darüber klar sein, dass es das absolut vollkommene Pferd nicht gibt: Ruhig und trotzdem interessiert, leichtrittig, korrekt im Fundament, schön und gesund, mit makellosen Röntgenbildern, am besten noch recht jung und preisgünstig. Man sollte sich als Pferdekäufer auch einmal überlegen wie viel Zeit und Geld es kostet, ein junges korrektes Reitpferd zu erzeugen. Der ordentlich angerittene Vierjährige Warmblüter hat den Aufzüchter und Verkäufer, angefangen von der Deck- oder Besamungsgebühr bis zum Beritt schon zwischen 5000 und 10000 Euro gekostet. Natürlich gibt es auch weit billigere Pferde, man sollte aber schon wissen, dass man damit dann auch den einen oder anderen Kompromiss eingehen muss.

Pferdekäufer verhalten sich in der ersten Begeisterung oft sehr leichtgläubig: vielen genügt zum Beispiel die Angabe, das Pferd sei geröntgt, dass dazu jedoch auch eine schriftliche Befundung jedes einzelnen Bildes gehört, wird gerne übersehen. Auch gibt es viele Reiter die glauben, dass Auktionspferde prinzipiell makellos wären, das stimmt natürlich nicht und das kann auch gar nicht so sein.

Unsere Auftraggeber bitte ich, eine Kaufuntersuchung als eine Untersuchung mit einem prinzipiell offenen Ergebnis anzusehen. Leider passiert es gelegentlich, dass man als Tierarzt in die Rolle eines reinen Abnickers und Verantwortungsübernehmers gedrängt wird. Da ist zum Beispiel ein Käufer geradezu beleidigt, dass man an seinem auserkorenen neuen Liebling doch etwas auszusetzen hat. Wenn denn alles schon entschieden ist, warum sollen wir dann noch untersuchen? Wir und sicher auch alle anderen Tierarztkollegen freuen uns doch genauso wie Verkäufer und Käufer über eine bestandene Ankaufsuntersuchung. Wer will denn schon gerne ein Kaufverhinderer sein?

Übrigens, wir machen natürlich bei einer Kaufuntersuchung die klinische Untersuchung vor dem Röntgen, schließlich wollen wir - falls sich schon dabei gravierende Mängel zeigen - keine unnötigen Kosten verursachen.


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